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Mythen & Wahrheiten über Wandern in Bärengebiet 🐻

  • Autorenbild: hannahJnc
    hannahJnc
  • 21. Jan.
  • 5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 12. Feb.


Ich werde immer wieder gefragt, ob ich keine Angst habe im Bärengebiet wandern zu gehen. Und nicht nur das, es gibt noch weitaus mehr Fragen, die aus Mythen und Geschichten über Bären stammen, die ich hier einmal in eine andere Perspektive rücken möchte. Also, let's go:

Grizzly-Familie
Eine Grizzly-Mama und 4 Junge im November 2024 in Kananaskis, Kanada.

Mythos 1: Bären wollen dich fressen


Realität: Bären warten nicht auf dich, um dich zu fressen

Das ist das Wichtigste vorab, was ich nach einer Weile und einigen Wanderungen mit Angst als treuen Begleiter verstanden habe. Sobald Bären aus dem Winterschlaf erwachen, haben sie nur eine Sache im Kopf: Fressen. Und das bezieht sich größtenteils auf Nahrung, die leicht und ohne großen Energieaufwand zugänglich ist, wie zum Beispiel Beeren, Gräser, Wurzeln und Aas.


Bären sind Opportunisten, das heißt, sie bevorzugen energiereiche Nahrung, die einfach zu erreichen ist. Menschen stehen nicht auf ihrem Speiseplan, und in den meisten Fällen versuchen sie, uns zu vermeiden.


Mythos 2: Bärenglocken und Lautsprecher schrecken Bären ab


Schön wärs, wenn ein kleines Klingeln dir 100 % Sicherheit schenken könnte, oder?


Realität: Bärenglocken sind umstritten, aber in den meisten Fällen sind sie tatsächlich nutzlos und eher ein Verkaufsschlager für Touristen. Das leise Läuten der Klingel trägt den Lärm nicht weit und wird leicht vom Wald geschluckt oder vom Wind sowie dem Rauschen eines Flusses übertönt. Es gibt außerdem Diskussionen darüber, dass das Klingeln neugierige junge Bären anlocken könnte.


Die Menschliche Stimme erweist sich als deutlich effektiver, da Bären dazu meiden Menschen zu meiden, nicht den Klang einer kleinen klingelnden Glocke. Wenn das bedeutet, dass du Selbstgespräche führen musst, wenn du mal alleine unterwegs sein solltest: Tu es!


Lautsprecher hingegen sind zwar deutlich lauter als die Bärenglocke, aber stört auch die Geräusche der Natur, für die man ja eigentlich gekommen ist und andere Wanderer. Zudem ist nicht erwiesen, ob durch die Verzerrung der Stimmen durch einen Lautsprecher der gleiche Effekt besteht, wie das einfache Nutzen der eigenen Stimme.


In diesem Artikel erfährst du mehr über wirksame 'Krachmacher'


Mythos 3: Essen lockt Bären an


Realität: Ja und nein.

Es stimmt, Bären haben eine feine Nase und können Essen, je nach Wetterbedingungen bis zu 30 Kilometern riechen. Ihr Geruchssinn ist ca. 2.100-mal stärker als der eines Menschen, was ihnen ermöglicht, selbst kleinste Mengen von Nahrung oder vergrabene Überreste zu erschnüffeln und ist entscheidend für ihr Überleben, da sie riesige Territorien durchstreifen, um Nahrung zu finden. Das bedeutet aber nicht, dass du Angst haben musst, dass ein Bär am Wegesrand steht und dir deinen Schokoriegel aus der Hand reißt. 🍫

Es gibt allerdings einen feinen Unterschied zwischen Tageswanderungen und Camping-Trips, bei denen du über Nacht in der Natur bleibst:

Tageswanderungen:

Bei Tageswanderungen brauchst du dir keine Gedanken machen, ob du bestimmte Snacks nicht in deinen Rucksack packen solltest. Bären sind opportunistische Allesfresser, das heißt, sie fressen alles, was reichhaltig und leicht zu finden ist. Sie haben einen hohen Kalorienbedarf und da sie die Hälfte des Jahres schlafen, drehen sich die meisten ihrer Aktivitäten um Nahrung, die nicht unbedingt menschlicher Natur ist. Ein Sandwich im Rucksack ist weit weniger verlockend als ein großes Dickicht mit reifen Beeren.


Camping-Trips:

Wenn du eine längere Tour mit Übernachtung planst, stehen dir in Kanada auf Campingplätzen (die im Voraus gebucht werden müssen) Food-Locker zur Verfügung, in denen du dein Essen luftdicht verschließen kannst. Denn erst wenn du länger an einem Ort bleibst, ist es wichtig, dass du mit dem Geruch deines Essens keine Bären oder andere Wildtiere anlockst. Aus dem Grund gilt auch das ungeschriebene Gesetz, nicht dort zu kochen, wo du schläfst. Das heißt, dass du dein Essen am besten an einem Ort mindestens Hundert Meter entfernt von deinem Schlafplatz zubereitest.


Mythos 4: Bärenspray ist KEIN Insektenschutzmittel


Klingt für einige vielleicht komisch, aber muss leider gesagt werden, weil es jedes Jahr einige Menschen gibt, die Bärenspray wie Insektenspray verwenden.


Realität: Bärenspray ist ein Abwehrmittel, das nicht auf die Haut oder Kleidung gesprüht werden soll. Es ist ein hochdosiertes, sehr starkes Pfefferspray und kann bei Menschen starke Schmerzen verursachen, wenn die Haut oder Augen damit in Kontakt kommen.


Experten-Tipp 🤓: Bärenspray ist übrigens am hilfreichsten, wenn man weiß, wie es funktioniert. Es passiert immer wieder, dass Menschen mit einem Spray losgehen, damit ein gutes Gefühl haben, weil sie das Spray ja dabei haben, aber im Ernstfall wissen sie nicht, wie man es entsichert und benutzt. Parks Canada zeigt in diesem Video, wie es geht




Mythos 5: Wenn du einen Bären siehst, renne um dein Leben!


Ja ich weiß, das klingt nach einer natürlichen Reaktion. Angst, Adrenalin, Fluchtinstinkt. Aber genau das kann dich in eine noch gefährlichere Situation bringen. Bären sind unglaublich schnell. Ein Grizzly kann mit bis zu 50 km/h sprinten – schneller als jeder Mensch. Nichtmal Usain Bolt hätte gegen einen Bären keine Chance.


Noch schlimmer: Rennen aktiviert den Jagdinstinkt des Bären. Auch wenn er dich vorher nicht als Bedrohung gesehen hat, könnte er durch plötzliche Bewegung zum Nachsetzen animiert werden.

Was du stattdessen tun solltest: Ruhe bewahren! Bleib stehen, sprich ruhig, mach dich groß und bewege dich langsam rückwärts. Nur so gibst du dem Bären die Möglichkeit, sich selbst aus der Situation zurückzuziehen.


Bärenangriffe sind selten – und wer die richtige Strategie kennt, kann eine Begegnung sicher überstehen.


👉 Mehr darüber, wie du dich bei einer Bärenbegegnung verhältst, findest du in diesem Artikel. 🐻🔍


Gut zu wissen über Bären (Alberta / BC)

  • Im Frühling, Sommer und Herbst müssen Bären genug fressen, um die kalten Winter zu überstehen. In dieser Zeit verbringen sie vier bis sechs Monate in ihren Höhlen.

  • Bären können bis zu 25.000 Kalorien pro Tag zu sich nehmen! Der größte Teil ihrer Nahrung ist jedoch kalorienarm und besteht zu über 85 % aus Pflanzen und Beeren. Der Rest besteht aus Insekten und kleinen Säugetieren, allerdings nur, wenn sich ihnen die Gelegenheit bietet, ohne zu viel Energie dafür aufzuwenden. Um mit Pflanzen ihren Kalorienbedarf zu decken, müssen sie also fast durchgehend fressen.

  • Bären haben ein gutes Gedächtnis und können sich merken, wo und wie sie an vom Menschen genutzten Orten an Nahrung gelangen. Sie sind außerdem sehr klug und können viele Fähigkeiten und Taktiken anwenden, um fast überall Nahrung zu finden.

  • Bären sind in der Dämmerung, in der Nacht und in der Morgendämmerung am aktivsten. Zu diesen Zeiten ist es wahrscheinlicher, dass man einem von ihnen begegnet.

  • Die Wahrscheinlichkeit, einem Bären zu begegnen, ist auch größer, wenn man an Beerenfeldern vorbeikommt, da das eine ihrer beliebtesten Nahrungsquellen ist.

  • Aufgrund der Geschwindigkeit und Geräuschlosigkeit erhöht das Fahrradfahren die Wahrscheinlichkeit einer Bärenbegegnung, besonders, wenn man um eine Kurve fährt, die nicht so einsichtig ist.

  • Bärenmütter mit Jungtieren sind tendenziell aggressiver, da sie ihren Nachwuchs vor (vermeintlichen) Feinden verteidigen (Gleiches gilt auch für Elche).

  • Beim Campen sollte man immer darauf achten keine Essensreste liegenzulassen. Bären können dies auf hunderte von Metern riechen. Reste können stattdessen vergraben oder verbrannt werden (sofern kein Feuerverbot wegen Gefahr für Wildfeuer aktiv ist).

  • Periode: Wenn Frauen ihre Periode haben und im Backcountry unterwegs sind oder campen: Benutzte Binden oder Tampons am besten einwickeln, in einer Plastiktüte verpacken oder verbrennen, da der Geruch ansonsten Bären anlocken kann.


Das Wichtigste: Bären wollen dir nichts Schlechtes. Sie sind so sehr damit beschäftigt, zu fressen, um den nächsten Winter zu überleben, dass sie ihre Energie eigentlich nicht für Angriffe verschwenden wollen, es sei denn, sie fühlen sich bedroht. Daher nochmal der Reminder: Sei immer respektvoll, beobachte deine Umgebung und vertraue auf dein Bauchgefühl.


👉Noch mehr Tipps findest du hier.


 
Disclaimer: Ich bin keine offizielle Bärenexpertin. Alles, was ich in diesem Artikel teile, basiert auf meinen eigenen Erfahrungen, Recherchen sowie Informationen aus Dokumentationen und offiziellen Quellen wie Alberta Parks und Parks Canada. Bärenverhalten kann unvorhersehbar sein, daher empfehle ich, sich zusätzlich bei offiziellen Stellen über aktuelle Sicherheitshinweise und den richtigen Umgang mit Bären zu informieren.

Du hast Fragen? Dann schreib mir gern ne Nachricht über Instagram an @hannahjnc oder ne Mail an hi@hannahjnc.com

 

 
 
 

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